NACKTE HAUT IM SCHULZIMMER
Dürfen Lehrer den Schülerinnen Kleidungsvorschriften machen?

Lehrerinnen und Lehrer, Stadt Zürich, Nr. 5 / April 2004

Eine Französischlehrerin fragt sich

Es ist Sommer, die Schülerinnen haben offensichtlich hess und zeigen zunehmend mehr und mehr Haut und Unterwäschestreifchen, eckchen. - Heisst es eigentlich Tanga String oder String Tanga? - Im Lehrerzimmer ist man sich uneins.

Während der Französischlernkontrolle geht Lehrerin Hösli an ein Tischchen in der hinteren linken Ecke, um Hefte zu korrigieren. Aus dieser Perspektive fällt ihr einmal mehr der tiefe Einblick in die Popos auf den Stühlen vor sich auf. Die Rückenansicht präsentiert sich bei den Mädchen mehrheitlich wie folgt: Slippers, Bändchen und Kettchen um die Fussgelenke (schon in vorchristlicher Zeit ein Zeichen weiblicher Unterdrückung), Hosenbeine, 5 mm Sitzflächenkante, max. 3 cm der bereits erwähnten Hose, je nach Grösse viel oder wenig nackter Hintern, ein mehr oder weniger ausgedehntes Tatoo, 2/3 textilfreier Rücken, an den Schultern sichtbare BH Träger und ein bisschen Top - und ganz oben der Kopf, der angestrengt seine Arbeit tut. Die Vorderansicht ist der Lehrerin schon viel vertrauter; dort werden die Dekolletees durch ein kleines Stückchen Stoff in Ihrem nahtlosen Übergang zum gepiercten Bauchnabel unterbrochen.

Der junge Turnlehrer und auch die Schulpflegerin haben schon gefragt, ob Frau Hösli eigentlich gedenke, dieses Outfit in der Schule zu tolerieren. In der nächsten Stunde oder am übenächsten Tag oder wenn der Trend nach den Sommerferien noch anhält, wird sie die modebedingte Nacktheit in der Klassenstunde thematisieren. Vor den Reaktionen der stolz Bauch und String präsentierenden Mädchen graut ihr schon jetzt! - Darf die Schule Kleidervorschriften erlassen?

Antwort des Rechtsdienstes des Volkschulamtes

Die Frage steht im Vordergrund, wer den schulpflichtigen Kindern sagen darf welche Kleider sie wann zu tragen haben. Dabei geht es um eine Frage der Erziehung, genauer der Erziehungskompetenz.

Es gilt der Grundsatz, dass elterliche Erziehung der staatlichen vorgeht. Gemäss Art. 302 Abs. 1 Zivilgesetzbuch (ZGB) haben die Eltern das Kind ihren Verhältnissen entsprechend zu erziehen und seine körperliche, geistige und sittliche Entfaltung zu fördern und zu schützen. Neben dem Bildungs nimmt die Volksschule auch einen Erziehungsauftrag wahr. Laut § 1 Abs. 2 Volksschulgesetz ergänzt die Volksschule dabei die Erziehung in der Familie. Sie hat also nur subsidiäre Bedeutung. Deshalb braucht es unter anderem auch in erzieherischen Belangen zuweilen (hauptsächlich, wenn zwei unterschiedliche Erziehungsauffassungen aufeinander prallen) eine Zusammenarbeit zwischen Lehrperson und Eltern (ebenfalls § 1 Abs. 2 VSG, § 18 Abs. 3 Lehrerpersonalrecht, § 83 Volksschulverordnung (VSV).

Der Staat und somit die öffentliche Schule darf grundsätzlich nicht in das Erziehungsrecht der Eltern eingreifen. Er dürfte es ohnehin nur, wenn es dafür eine gesetzliche Grundlage gäbe, der Eingriff im öffentlichen Interesse und ausserdem verhältnismässig wäre. Im kantonalen Schulrecht gibt es keine Kleidervorschriften, da man dem Grundsatz des vorrangigen Erziehungsrechts der Eltern folgt. Anders verhält es sich in Sachen Konsum von schädlichen Stoffen. Nach § 35 Abs. 3 und § 84 Abs. 2 VSV ist Drogen Nikotin und Alkoholkonsum an der öffentlichen Schule untersagt. Geht es hier um das zweifelsfrei schützenswerte Gut der psychischen und physischen Gesundheit, kommen bei der Bekleidung lediglich ästhetische Aspekte in Betracht. Selbstverständlich spielt - vor allem bei den Erwachsenen - auch die ethisch moralische Ebene hinein. Wohl auch deshalb verzichtet der kantonale Gesetzgeber auf eine Regelung. Darf die Gemeindeschulpflege anstelle des Kantons z.B. in einem kommunalen Reglement oder in der Schulhausordnung Kleidervorschriften erlassen? Aus den voranstehenden Ausführungen ergibt sich ein Nein: die Eltern haben primär das Sagen, und Kleidervorschriften mit Verboten und Geboten zur Wahrung von Sitte und Ordnung wäre unverhältnismässig und würde vermutlich auch die Bundesverfassung (Art. 10 Abs. 2), welche die persönliche Freiheit schützt, verletzen. Gemeindeschulpflegen (Reglemente) und Schulleitungen (Hausordnungen) dürfen keine entsprechenden Vorschriften erlassen.

Nur wenn der ordentliche Schulbetrieb wegen der Bekleidungsweise einzelner Schülerinnen und Schüler akut gefährdet oder schwer beeinträchtigt würde, könnte und müsste die Gemeindeschulpflege, welche gemäss Art. 62 Abs. 5 Kantonsverfassung in Verbindung mit § 37 Unterrichtsgesetz die öffentlichen Schule leitet und beaufsichtigt, eingreifen und vorübergehend Weisungen (Verbote) - also keine dauernde Vorschriften - erlassen. Zu denken ist dabei an das Tragen von Kleidern mit rassistischer, (neo)nazisstischer, sexistischer und allgemein menschenverachtender Aussage. Solche Kleider sind geeignet, den Schul und Religionsfrieden zu stören, weshalb die Gemeindeschulpflege befugt ist, die erforderlichen Massnahmen zu ergreifen.

Wenn Bekleidungsvorschriften in der Klasse zu Diskussionen Anlass geben, soll die Lehrkraft dieses Thema aufgreifen und mit den Schülerinnen und Schülern erörtern. Dies gilt auch im Verhältnis zwischen Lehrperson und Eltern.

 

EIN FAMILIEN-ABC

Dieses Familien-ABC wird Ihnen hoffentlich einige Impulse für den Alltag geben. Versuchen Sie's! Vielleicht hilft es sogar, die entsprechenden Stichworte auswendig zu lernen!

A wie Arbeit: Die Arbeit ist nicht ein Fluch oder eine Last für den Menschen, sondern das Mittel für seine Selbstverwirklichung im positiven Sinn des Wortes. Die Arbeit sorgt dafür, dass wir unseren Lebensunterhalt verdienen können. Ebenso sorgt die Arbeit dafür, dass wir uns entwickeln, dass wir zu reifen Menschen werden. Wer die Arbeit gut erledigt, wird erstens gerne arbeiten und verschafft sich zweitens einen guten Ruf. Daraus resultieren Freundschaft und Zufriedenheit.

B wie Beten: Sprechen Sie mit Gott über sämtliche Angelegenheiten Ihres Lebens! Er ist Ihr Vater und interessiert sich brennend über Ihr Wohlergehen. Ein betender Mensch ist ein glücklicher Mensch, denn er weiß Gott immer an seiner Seite und ist nie allein.

C wie Charakter: Denken Sie daran: Jeder hat seinen eigenen Charakter. Stärken Sie die guten Charaktereigenschaften und bekämpfen Sie die schlechten! Finden Sie Ihren wunden Punkt heraus und arbeiten Sie täglich daran! Das macht Sie stark.

D wie Dankbarkeit: Dankbarkeit lernt man, wenn man weiß, dass nicht alles selbstverständlich ist. Vieles hat man jemandem zu verdanken. Ein Lied sagt, dass Dankbarkeit das Größte ist, das es überhaupt gibt. Und darin steckt eine große Wahrheit. Ein dankbarer Mensch behandelt seine Mitmenschen auch dementsprechend.

E wie Erlebnis: Gemeinsame Erlebnisse stärken den Zusammenhalt in einer Familie. Unternehmen Sie immer wieder Neues im Kreise Ihrer Familie! Es gibt so viele Möglichkeiten: Sport, Kultur, Firmenanlässe, schulische Anlässe, Geburtstage, Feste usw.

F wie Freude und Frieden: Die Freude und die Zufriedenheit wachsen aus einem ausgefüllten und sinnvollen Leben. Wenn man weiß, was im Leben wichtig ist, und sich für wichtige Sachen engagiert, sprudelt man nur so von Lebensfreude und Zufriedenheit. Lehren Sie Ihre Kinder, dass man im Leben nur glücklich werden kann, wenn man an das Wohl der anderen denkt statt bloß an das eigene.

G wie Geschenk: Das Leben ist ein großes Geschenk, mit dem man behutsam umgehen muss. Es ist ja nicht selbstverständlich, dass wir leben dürfen. Wir haben es anderen Menschen zu verdanken, und bekanntlich vergilt man ein Geschenk mit Dankbarkeit.

H wie Heute: Der heutige Tag ist entscheidend für Ihr Glück und das Glück Ihrer Mitmenschen. Wenn Sie sich nicht heute entscheiden, Gutes zu tun, dann tun Sie es nie.

I wie Immer oder Jetzt: Es kommt nicht so sehr darauf an, bei einer bestimmten, großen Gelegenheit etwas außergewöhnlich Gutes zu tun. Entscheidend ist, dass man stetig da Gute tut, auf ganz natürliche und unauffällige Art. Trainieren Sie sich darin und werden Sie erfinderisch: Wo kann ich Gutes tun? Wer könnte meine Hilfe brauchen? Wo könnte ich mich engagieren und etwas Gutes in Bewegung setzen?

K wie Kirche: Durch die Kirche beschenkt Gott die Menschen und ist unter ihnen konkret gegenwärtig. In ihrem Schoss werden die Menschen zu Kindern und sozusagen zur Familie Gottes. Wir können nur Brüder und Schwestern voneinander sein, wenn wir Kinder von Gott sind.

L wie Liebe: Von Mutter Teresa stammt das Wort "Liebe, bis es weh tut!"; und sie weiß, wovon sie spricht. Sie hat sich im Dienste der Ärmsten der Armen verausgabt und selber kaum das Nötigste zum Leben beansprucht. Was sie aber nie missen wollte, war das Gebet und den Empfang der Kommunion, denn das war ihre Kraftquelle. Sie schöpfte daraus eine solche Kraft, dass sie Hunger, Durst, Hitze und Kälte und andere Widrigkeiten gar nicht mehr beachtete. Und genau das ist Liebe.

M wie Mutter: Halten Sie das Mutter-Sein in hohen Ehren! Wir können kaum ermessen, wie viel die Mütter leisten, auch materiell! Eine Studie vom Jahr 1994 belegt, dass eine Hausfrau mit drei Kindern schon damals Arbeit im Wert von über 7800 Franken leistete. Es ist bekannt, dass viele Probleme darin wurzeln, dass Kinder zuwenig Zuneigung erhalten.

N wie Natur: Wir sollen die Natur schützen, aber viel mehr noch die Menschen und ihre Würde: meine eigene und die meiner Mitmenschen. Die Menschenwürde wird nicht respektiert, wenn Menschen getötet, ausgebeutet oder etwa zur Prostitution gezwungen werden; aber auch dann nicht, wenn Kinder vernachlässigt werden. Hier ist unser Engagement gefordert, wenn wir uns nicht mitschuldig machen wollen.

O wie Offenheit: Offenheit - ein Schlagwort unserer Zeit. Offen sein für sämtliche Neuerungen. In erster Linie sollten wir offen sein für das Gute: für Gott, für die Anliegen der Mitmenschen und - nicht zuletzt - für eigene Kinder. Kindern das Leben schenken kann zwar gewisse Einschränkungen mit sich bringen, ja oft auch Verdruss und Ärger, aber es ist vor allem mit Freude und Lebensqualität verbunden.

P wie Positiv: Versuchen Sie einmal das Positive in Ihrer Umgebung wahrzunehmen und sprechen sie auch von Positivem statt von Negativem! Sie werden sehen, wie schnell Ihre Lebensanschauung und auch Ihr Gemüt sich verändern. Jedes Ereignis birgt nämlich etwas Positives in sich. Man muss es nur sehen!

Q wie Quote: Lassen Sie sich nicht von Quoten blenden. Etwas ist nicht schon deshalb gut, weil die Mehrheit es so sieht. Bilden Sie sich Ihr eigenes Urteil und benützen Sie Ihren gesunden Menschenverstand sowie seriöse Informationen!

R wie Ratschlag: Lassen Sie sich von vertrauenswürdigen Menschen beraten und geben Sie selber Ihren Mitmenschen immer wieder gute Ratschläge! Oft wird das Gute erstickt, weil man sich nicht zu helfen weiß und keine guten Ratschläge bekommen hat. Seien Sie großzügig und klug mit Ihren Ratschlägen und geben Sie nur solche, auf die Verlass ist.

S wie Spielen: Spielen Sie gerne mit Ihren Kindern und spielen Sie gute Spiele! Lassen Sie die Kinder nicht einfach vor dem Fernseher oder dem Computer sitzen, sondern interessieren Sie sich für ihre Spiele!

T wie Tiere: Tiere sind schön und oft auch bewundernswert, aber die Menschen - wir alle - stehen weit über ihnen. Menschen haben Verstand, Willen und Gewissen. Es ist gut, sich das hin und wieder in Erinnerung zu rufen!

U wie Umgebung: Sie können eine Veränderung Ihrer Umgebung bewirken, wenn Sie sich zuerst selber verändern. Wenn Sie nämlich Ihr Leben im Griff haben, strahlt das auf Ihre Umgebung aus. Die Menschen sehen das und kommen auf Sie zu: "Wie machen Sie das? Was ist Ihr Geheimnis?" Antworten Sie darauf ganz natürlich und verraten Sie Ihr "Rezept"!

V wie Verzeihen: Beherrschen Sie die Kunst des Verzeihens? Wenn nicht, dann lassen Sie sich selber einmal richtig verzeihen, denn jeder Mensch macht Fehler und benötigt deshalb Vergebung! So lernen Sie, den anderen ebenfalls das Geschenk des Verzeihens zuteil werden zu lassen. Alle Menschen sind auf das Verzeihen angewiesen, und wer dieses Verzeihen selber erfahren darf, lässt auch gerne andere Menschen diese Erfahrung machen.

W wie Wunder: Lernen Sie das Staunen wieder! Man kann über so vieles staunen. Es gibt tatsächlich Wunder: in der Natur, im Leben anderer Menschen, im eigenen Leben! Es ist nämlich ein Wunder, dass Sie da sind, dass Sie so viel können, und das größte Wunder ist, dass Sie lieben können. Ein Tipp: Wenn Sie dankbar sind, dann kommt das Staunen automatisch.

X wie x-beliebig: Im Zeitalter der Beliebigkeit tut es Not, sich im Klaren darüber zu sein, dass es auch Dinge gibt, die nicht beliebig sind. Dazu gehören Gesetzmäßigkeiten, die fest zum Menschsein gehören. Ihre Nicht-Beachtung wirkt sich zerstörerisch aus.

Y wie You: Jeder Mensch ist unendlich kostbar. Haben Sie darum eine große Achtung vor allen Geschöpfen und respektieren Sie die Freiheit Ihrer Mitmenschen! Schreiben Sie darum das Wort "DU" mit Großbuchstaben!

Z wie Zeit: Zeit ist nicht nur Geld, Zeit ist viel mehr! Zeit ist das Einzige, worüber wir verfügen. Für Wichtiges nimmt man sich Zeit. Wofür nehme ich mir Zeit?

 

INTERNET: WER IST AM ANDERN ENDE?
Tipps für das Chatten

Die australische Fernsehbehörde Australian Broadcasting Authority gibt Eltern und Kinder auf einer Website Information und Hinweise für einen fruchtbaren und sicheren Umgang mit dem Internet. Das Erziehungsprojekt nennt sich Cybersmart Kids Online und ist abrufbar auf www.cybersmartkids.com.au. "Das Internet", wird dort festgehal-ten, "ist für Kinder zugleich ein großartiges Instrument und eine potentielle Gefahr. Um damit richtig umzugehen, sollen namentlich die Kinder "cybersmart" sein, d.h. sich auf dem Netz sicher und bewusst bewegen.

Perspective, Winter 2003

Für das Chatting (Internet-Plaudern) von Kindern gibt Cybersmartkids unter anderem folgen-de Tipps:

PDF Version